Dissertationsprojekt:
„Die Reden des Paulus in den apokryphen Apostelakten“

Die im zweiten und dritten Jahrhundert als christliche Unterhaltungsliteratur entstandenen apokryphen Apostelakten werden in jüngerer Zeit als Quelle für die Theologie und Literatur des frühen Christentums entdeckt. Dabei ist allgemein anerkannt, dass jede der fünf großen Apostelakten eine selbständige literarische und theologische Größe ist. Zu dieser Gruppe gehören die Paulusakten. Sie berichten im Rahmen einer großen Missionsreise von den Taten des Apostels Paulus, der als Missionar, Lehrer und Wundertäter auftritt. Dabei provozieren und motivieren insbesondere seine Reden den Fortgang der einzelnen Episoden und der gesamten Geschichte. Obwohl dies in der Forschung früh erkannt wurde, fehlt eine systematische Darstellung der theologischen und literarischen Themen und Motive der paulinischen Reden. Dies hat mehrere Ursachen: Einerseits rechnet man der Theologie der Paulusakten keinen allzu hohen Stellenwert zu, anderseits wird jede Untersuchung durch die fragmentarische Überlieferung der Paulusakten erschwert. In meiner Studie werden die paulinischen Reden systematisch betrachtet und auf ihre theologischen, sozialen und ethischen Implikationen hin untersucht. Sie stellt die Frage, welche Inhalte der Apostel vertritt und wie diese Inhalte literarisch verarbeitet werden. Dabei ist von besonderer Bedeutung, wie der Verfasser der Paulusakten paulinisches Traditionsgut aufgreift, verändert und auf die aktuelle Situation der Christen seiner Zeit anpasst. Erst nach einer genauen Untersuchung dieser Fragen können theologische Schwerpunkte ausgemacht werden, die dann Aussagen über die Theologie der Paulusakten insgesamt zulassen.